Pressemitteilung

KI-Systeme sollen den Menschen unterstützen und nicht ersetzen

  • Nr. Pressemitteilung
  • 3.7.2024
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DREI FRAGEN AN… Dr. Christoph Schmidt, Geschäftsfeldleiter am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) . Auf dem Barcamp Kirche online West am 24. August in Bonn hält Christoph Schmidt eine Keynote zum Thema „Wie Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft verändert: Eine Vision“.

Herr Schmidt, welche Vision haben Sie, wie Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft zum Guten verändern kann?
Christoph Schmidt: Künstliche Intelligenz wird viele positive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Im Gesundheitswesen wird sie uns bei der Prävention und Früherkennung von Krankheiten unterstützen und kann durch die Auswertung großer Datenmengen medizinische Behandlungen individuell anpassen. Beim Umweltschutz kann KI den Ressourcenverbrauch in Bezug auf Wasser, Energie und CO2 optimieren und so dem Klimawandel entgegenwirken. Im Bildungsbereich wird KI Schüler*innen individuell beim Lernen unterstützen, was Lehrkräften aufgrund der Klassengrößen oft nicht möglich ist. Individualisierte Übungsaufgaben, zusätzliche Erklärungen und Feedback bei Fehlern wird das Lernen in Schulen, Universitäten, bei Ausbildungen und bei Fortbildungen im Arbeitsleben verbessern. In der Arbeitswelt wird KI uns durch Automatisierung repetitiver Arbeiten entlasten und uns mehr Zeit für kreative, strategische und zwischenmenschliche Tätigkeiten geben.
Insgesamt wird KI die Inklusion und Barrierefreiheit fördern, indem sie automatische Übersetzungen in andere Sprachen, Gebärdensprache und die Umformulierung komplizierter Texte in einfache Sprache unterstützt.

Worauf müssen wir – auch in der Kirche – achten, wenn KI eingesetzt wird?
Schmidt: Die Einführung von KI in Unternehmen wird oft aus wirtschaftlichen Erwägungen wie Effizienzsteigerungen getätigt. Es müssen jedoch auch ethische Grundsätze berücksichtigt werden. Wichtige Themen sind Datenschutz, Fairness bei Entscheidungssystemen und Transparenz, die unter anderem durch gesetzliche Rahmenbedingungen wie dem EU-Gesetz zur Künstlichen Intelligenz, auch als EU AI Act bekannt, vorgegeben werden. Das Fraunhofer IAIS unterstützt hier Gesellschaft und Unternehmen durch Prüfung, Absicherung und Zertifizierung von KI-Systemen.
Insgesamt halte ich das Thema Weiterbildung und Schulungen für Mitarbeitende im kirchlichen Bereich für unverzichtbar, nicht nur in Bezug auf den Einsatz von KI in der Kirche, sondern auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Auswirkungen und ethischen Aspekte.

In welchen kirchlichen Arbeitsfeldern wird sich KI durchsetzen und in welchen Bereichen sollte keine KI zum Einsatz kommen?
Schmidt: Im Verwaltungsbereich wird KI zu erheblichen Effizienzsteigerungen führen, da moderne KI-Technologien wie große Sprachmodelle sehr gut mit Textdaten, wie etwa E-Mails oder Rechnungen umgehen können. So lassen sich insbesondere Standardprozesse wie Spendenabrechnungen automatisieren.
Im Gemeindealltag können Systeme wie ChatGPT beim Brainstorming helfen, etwa bei Themenvorschlägen für Bibelkreise, für spielerische Formate in der Jugendarbeit oder zur Organisation von Veranstaltungen. Bei der Gottesdienstvorbereitung könnte die KI thematisch zur Predigt passende Lieder auswählen.
Durch automatische Live-Übersetzung während des Gottesdienstes könnten Gemeinden die Inklusion von Gottesdienstbesucher*innen ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen verbessern und durch automatische Gebärdensprachübersetzung die Barrierefreiheit für Gehörlose erhöhen.
Anstatt den Einsatz von KI in bestimmten Bereichen generell auszuschließen, sollten KI-Systeme den Menschen unterstützen und nicht ersetzen. Im Bereich der Telefonseelsorge könnte eine KI insbesondere ehrenamtliche Mitarbeitende unterstützen, indem sie während des Gesprächs relevante Informationen wie Kontaktdaten zu Hilfsangeboten bereitstellt. Das seelsorgliche Gespräch sollte jedoch weiterhin nur durch einen Menschen erfolgen.

Info: Fraunhofer IAIS

Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) , mit Sitz in Sankt Augustin, betreibt Spitzenforschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz und wird im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung dauerhaft vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Darüber hinaus engagiert sich das Fraunhofer IAIS maßgeblich in wichtigen Projekten und Initiativen zur Förderung der digitalen Souveränität Europas sowie zur vertrauenswürdigen und nachhaltigen Anwendung von Künstlicher Intelligenz.

  • Ralf Peter Reimann