Pressemitteilung

An Heiligabend werden in Wickrathberg die Glocken wieder läuten

  • Nr. Pressemitteilung
  • 1.12.2023
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  • Stiftung KiBa
  • Stiftung KiBa

Die evangelische Dorfkirche in Mönchengladbach-Wickrathberg ist „Kirche des Monats Dezember 2023“ der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) . Die Stiftung fördert die Sanierung des Glockenturms mit 15.000 Euro.

Esther Gommel-Packbier freut sich auf Weihnachten. In diesem Jahr vielleicht sogar ein bisschen mehr als sonst. Denn sie erwartet ein besonderes Geschenk: An Heiligabend um 18 Uhr werden die Glocken der Dorfkirche in Wickrathberg zum Gottesdienst läuten. Was für viele andere Gemeinden selbstverständlich ist, wird in dem zu Mönchengladbach gehörenden Ortsteil viele Menschen aufhorchen lassen: Die Glocken klingen wieder!

„Die Glocken fehlen wirklich“

Esther Gommel-Packbier ist Pfarrerin in Wickrathberg und sie vermisst das Geläut. Der Stundenschlag ist ebenso versiegt wie das Läuten zur Mittagszeit, um 18 Uhr, vor Gottesdiensten oder bei Beerdigungen. „Sehr still“ sei es derzeit, sagt sie. „Die Glocken fehlen wirklich“. Der Grund für diese Stille: Die tragenden Eichenbalken im Turm der Kirche sind morsch geworden und müssen instandgesetzt werden.

„Das Geld ist da“

Weil nicht nur die Pfarrerin an dem Glockengeläut hängt, wird in Wickrathberg Geld gesammelt: Der letzte Trödelmarkt zugunsten der Turmsanierung erbrachte 7000 bis 8000 Euro, ein Adventströdel ist geplant. Auch die Politik – Abgeordnete des Bundes- wie des Landtags – stellt Finanzmittel zur Verfügung, ebenso wie die Stiftung KiBa, die das Projekt mit 15.000 Euro fördert. Und es kommt vor, erzählt die Theologin, „dass mir jemand auf der Straße 50 Euro in die Hand drückt, ‚damit die Glocken bald wieder läuten‘“. 200.000 Euro sind nötig für die Sanierung des Turms: „Das Geld ist da.“

Es gibt weiteren Sanierungsbedarf

Und so ragt der goldene Wetterhahn in Wickrathberg derzeit zwischen hohen Gerüsten in den Himmel (wer sich das Spektakel von oben anschauen will, kann dies mithilfe einer Drohnen-Videoaufnahme aus der Luft tun); die morschen Balken, an unzugänglichen Stellen im Kirchturminneren verbaut, mussten aufwändig ausgetauscht werden. Zu allem Überfluss offenbarte der Blick der Fachleute in 32 Metern Höhe weiteren Sanierungsbedarf: Die Schieferdeckung des barocken Turmhelms hat im Laufe der Jahre stark gelitten. „In der Verschieferung waren die Einschläge von Hagelkörnern sichtbar“, sagt Gommel-Packbier. Dem ersten Sanierungsschritt wird also ein zweiter folgen; das Gerüst an der Kirche bleibt zunächst stehen, „damit wir gleich weitermachen können“.

Die Dorfkirche in Wickrathberg – von oben.

Adelsfamilie saß früher im „Grafenstuhl“

Die ersten Erwähnungen des Gotteshauses in Wickrathberg stammen aus dem Jahr 1220. Gewidmet wurde die große Backsteinkirche zunächst dem Heiligen Nikolaus; stärker verbunden ist sie inzwischen mit dem Namen der Grafen von Quadt, die sie nach der Reformation im Jahr 1569 zur Hauskirche erkoren. Die mit umfangreichen Schnitzereien verzierte Patronatsloge – auch „Grafenstuhl“ genannt – kündet davon, wie prächtig die bis 1794 regierenden Mitglieder der Adelsfamilie in der Kirche platziert waren. Reichsgraf Friedrich Wilhelm Otto von Quadt spendete die noch heute vollständig erhaltene Rokoko-Ausstattung, zu der neben dem „Grafenstuhl“ auch die Orgelempore, die Kanzel mit Schalldeckel und die Schöffenbank gehören.

Die Dorfkirche ist ein beliebter Ort für Hochzeiten

Nicht zuletzt diese Ausstattung macht die Kirche mit ihrer hellen, freundlichen Ausstrahlung zu einem sehr beliebten Ort für Hochzeiten. „Und sie ist tatsächlich der Mittelpunkt des Dorfes“, betont Esther Gommel-Packbier. Mehr als 400 Menschen haben in dem Gebäude Platz – aber auch wenn nur 50 zum Gottesdienst kommen, sei die Atmosphäre großartig. Mit seinen mehr als 800 Lebensjahren ist das denkmalgeschützte „Kleinod am Niederrhein“ außerdem die drittälteste Kirche in Mönchengladbach. „Ich denke wirklich oft, was für ein Geschenk es ist, an einem so schönen Ort zu arbeiten“, sagt die Pfarrerin. Am 24. Dezember wird sich dieser Gedanke sicher ein weiteres Mal einstellen.

Info: Stiftung KiBa

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) ist eine Stiftung der EKD und der evangelischen Landeskirchen. Seit 1999 hat sie Zusagen für Sanierungsvorhaben in Höhe von rund 35,5 Millionen Euro geben können. Für dieses Jahr hat die KiBa bislang Förderzusagen von rund 1,8 Millionen Euro vorgesehen. Rund 3.800 Mitglieder engagieren sich bundesweit im „Förderverein der Stiftung KiBa e. V.“