Pressemitteilung

Engelkonfirmation: Ein ganz besonderes Konfirmationsjubiläum

  • Nr. Pressemitteilung
  • 26.6.2024
  • 6103 Zeichen
  • Rebecca Bleh

Das 85. Konfirmationsjubiläum ist nicht alltäglich. Herbert Finck konnte dieses besondere Fest kürzlich in der Maria-Magdalena-Kirche in Niederbrombach feiern. Und blickt auf ein bewegtes Leben zurück, in dem der Glaube ihn immer getragen hat.

Auch wenn der für seine 99 Jahre erstaunlich rüstige Senior der einzige aus seinem Jahrgang ist, der die Stufen hoch zur Maria-Magdalena-Kirche an diesem Festtag erklimmen konnte – der einzige noch Lebende aus dem Jahrgang ist er nicht. 25 junge Menschen umfasste der Jahrgang in der Kirchengemeinde Niederbrombach , die am Palmsonntag, 2. April 1939, von Pfarrer Ernst Neubach konfirmiert wurden. Neben Herbert Finck (im Bild oben der sechste von links, hinter Reihe) war bis 4. Juni noch eine Mitkonfirmandin aus Niederbrombach am Leben. Sie starb im Alter von 100 Jahren. Ein Mitkonfirmand, Hans Lehnert aus Wilzenberg-Hußweiler, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.

Urkunde aus dem Landeskirchenamt für die Engelkonfirmation

Vom Landeskirchenamt in Düsseldorf gab es für Hans Lehnert und Herbert Finck eine Urkunde für dieses besondere Jubiläum. Die Predigt vom Pfarrerin Christiane Bock befasste sich mit den im Gottesdienst gesungenen Liedern, den Schatten- und den Sonnenseiten eines langen Lebens und den „Schutzhütten des Glaubens“ in beiden Zeiten. So wie EG 376 „So nimm denn meine Hände“, das zu sehr unterschiedlichen Anlässen gesungen wird: zu Trauungen, aber weitaus häufiger auch zu Bestattungen.

Herbert Finck mit Pfarrerin Christiane Bock. (Foto: Rebecca Bleh)

Zweimal schlägt das Schicksal knallhart zu

An eine Bestattung kann sich Herbert Finck noch gut erinnern. Hier intonierte für ihn das Lied nicht zum ersten Mal besonders schwer. Zwei Jahre vor seiner Konfirmation verlor Herbert, das älteste von sieben Kindern, seinen Vater durch Tuberkulose. Kurz vor der Konfirmation schlug das Schicksal erneut zu. Dieses Mal ist es Reinhold, sein Freund und Mitkonfirmand.

„Die Prüfung in der Kirche, vor der hatten wir alle Angst.“

Der Jahrgang 1924 in Niederbrombach war eh nicht groß: drei Jungen und zwei Mädchen. Die beiden vorherigen Jahrgänge waren viel stärker, doppelt so groß und mehr. Am Sonntag vor den Konfirmationen in den Jahren 1937 und 1938 hatten sich Herbert, Reinhold und Edmund in die Kirche geschlichen. Sie wollten wissen, was auf sie zukommt. „Die Konfirmation, die war nichts im Vergleich dazu, was am Sonntag davor stattfand. Die Prüfung in der Kirche, vor der hatten wir alle Angst.“

Die Jungen waren eine eingeschworene Gruppe

In der letzten Reihe führten sie Strichlisten, wer bei der gefürchteten Prüfung mit Wissen glänzen konnte und wer weniger Erfolg hatte. Die Jungen waren, obwohl Herbert als einziger in Birkenfeld das Gymnasium besuchte und die anderen oft auf ihn warten mussten, eine eingeschworene Gruppe. „Ich kam durch die Schule häufig später in den Konfirmandenunterricht und habe einiges verpasst. Das bedauere ich heute noch, denn Pfarrer Neubach konnte uns den Glaubensstoff sehr gut vermitteln“, erinnert sich Herbert Finck.

Ein trauriger Tag

Edmund, Herbert und Reinhold waren ein Team. Bis zum 15. März 1939. Da kam Reinhold auf tragische Weise beim Tag der Wehrmacht in der Klotzberg-Kaserne ums Leben. Bei einer Vorführung mit scharfem Geschütz missachtete er die Absperrung und wurde durch einen Schuss tödlich verwundet. Von seinem Tod erfuhren Herbert und Edmund, als sie freudig und voller Eindrücke vom Tag der Wehrmacht aus Baumholder zurückkamen. Eigentlich wollten die Drei dort zusammen hin, aber Reinholds Eltern fanden Baumholder zu gefährlich und begleiteten ihn stattdessen nach Algenrodt. Welche Ironie des Schicksals!

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg, der im gleichen Jahr ausbrach, blieben auch Freunde aus dem Jahrgang. Elf hat Herbert Finck gezählt. Mehrfach dachte er in den Kriegswirren, dass er auch dazugehören wird. Dass heute der Tag sei, dessen Abenddämmerung er nicht mehr erleben würde. So erlebt, als er und ein anderer sehr junger Soldat sich im Angesicht eines Geschützfeuers verkriechen und voller Angst das Vaterunser beten. Eine Schutzhütte des Glaubens an der Ostfront. Oder als er im Stellungskampf an Malaria erkrankt und das Bewusstsein verliert. Dass ein Kamerad ihn aus der Schusslinie zieht, bekommt er nicht mehr mit.

80 Jahre her und doch präsent

Zu Bewusstsein kommt er erst im Lazarettzug Richtung Metz. Dort erholt er sich vollständig, findet sich aber durch den Vormarsch der Alliierten unvermittelt an der Westfront wieder. Kurz vor seinem Geburtstag am 17. Oktober wird er angeschossen. Auch diese Wunden übersteht er. In den letzten Kriegsmonaten wird er nach Hessen geschickt, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Das alles ist 80 Jahre her und dennoch präsent. Ebenso wie die Nachkriegsjahre, in denen er Karriere auf der Amtsverwaltung in Birkenfeld gemacht, seine Frau geheiratet, ein Haus gebaut und drei Töchter großgezogen hat.

Finck ist der Chronist der Gruppe

Finck war und ist der Chronist der Gruppe: Immer, wenn sie sich zu Jubiläumskonfirmationen trafen, schoss er Bilder, machte Diavorträge, sprach ein Gedicht, drehte Videos. Im Nachgang beschriftete er die Fotos, katalogisierte sie. Seit der Goldenen Konfirmation im Mai 1989 waren es sieben Feiern. Von Feier zu Feier wurde die Liste der Freunde, die dazwischen heimgegangen waren, größer. Aber auch dies ist die Essenz eines fast 100-jährigen Lebens. Dass er 100 wird, steht für Herbert Finck außer Frage. Das ist die nächste Feier, die er schon plant. Immerhin hat er seinen Heizöl-Tank noch einmal komplett füllen lassen. Da wäre er ja schön blöd, wenn er dann frühzeitig abtreten würde.