Pressemitteilung

Immobilienentwicklung in einer Hand

  • Nr. Pressemitteilung
  • 4.12.2023
  • 4614 Zeichen
  • Ekkehard Rüger
  • unikat Werbeagentur

Die Pläne waren schon fortgeschritten. Ein „Evangelisches Bauwerk im Rheinland“ sollte kirchliches Immobilienvermögen unter Berücksichtigung evangelischen Profils rentierlich entwickeln. Von der Gründung einer solchen Körperschaft des öffentlichen Rechts ist man in den Kirchenkreisen Düsseldorf-Mettmann und Niederberg zwar wieder abgerückt. Aber die gemeinsame Bauwerk-Idee lebt weiter: Im Umgang mit kirchlichen Immobilien würde damit rheinisches Neuland betreten.

„Wir können nicht den 2027er-Prozess abwarten, sondern müssen jetzt schon starten“, ist Thomas Gietz, Geschäftsführer des Evangelischen Verwaltungsverbands Mettmann-Niederberg, überzeugt. In vier Jahren soll die Gebäudebedarfsplanung in der gesamten Landeskirche abgeschlossen sein. Bis dahin will man erste Erfahrungen gesammelt haben. 177 kirchliche Gebäude haben die beiden Kirchenkreise mit ihren 20 Gemeinden im Bestand. Die Gebäudebedarfsanalyse läuft bereits seit Anfang des Jahres. „Die Ergebnisse für die ersten zehn Gemeinden haben wir auf den Herbstsynoden im November vorgelegt“, sagt Gietz. Die restlichen zehn Gemeinden folgen im Frühjahr 2024. Danach wäre man startklar.

Verwaltungsverband übernimmt Immobilienmanagement

Die Grundidee, wie sie den beiden Kreissynoden im November vorgestellt wurde: Wenn die Gemeinden Immobilien und Grundstücke identifiziert haben, die nicht mehr benötigt werden, übertragen sie deren Entwicklung vertraglich auf Erbpachtbasis ihrem Kirchenkreis. Das Immobilienmanagement übernimmt dann der Verwaltungsverband zusammen mit externen Kräften. „Wir wollen uns zunächst auf den preisgedämpften Wohnungsbau konzentrieren“, sagt der Geschäftsführer. „Betreutes Wohnen oder Demenz-WGs sind wesentlich komplexer.“

Investiertes kirchliches Geld soll in der Region bleiben

Ausgangspunkt für die Idee war ein gutes Börsenjahr mit entsprechend hohen kirchlichen Erträgen aus den Aktienanlagen – und die anschließende Frage, „ob es überhaupt anständig ist, eine so hohe Rendite zu erzielen“. Daraus, so Gietz, habe sich die Überlegung entwickelt, investiertes kirchliches Geld in der Region zu belassen. Dafür diente das Bauwerk des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein als Blaupause. Ein Besuch dort im vergangenen August bestärkte den Geschäftsführer: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Drei konkrete Projekte sind schon im Blick, erste Gespräche mit der Diakonie als möglichem Partner geführt. „Aber von der Idee bis zur Bauantragstellung vergehen mindestens drei Jahre“, sagt Uta Meyer-Morick, Abteilungsleiterin Immobilienmanagement.

Evangelisches Bauen mit diakonischem Impuls

Vorteil für die Gemeinden: Sie sind innerhalb des aufwendigen Beteiligungsprozesses zwar in die Projektentwicklung eingebunden und können ihre Ideen von Quartiersarbeit und diakonischer Präsenz einbringen. Wenn der Verwaltungsverband dann einen Vorschlag vorlegt, gibt es noch eine Exit-Möglichkeit vor dem finalen Vertrag. Danach aber ist die jeweilige Gemeinde entlastet und kassiert nur noch den Erbbauzins. Der Verwaltungsverband kauft die Architektenleistung ein, übernimmt gegen entsprechende Bezahlung durch den Kirchenkreis die Projektsteuerung und die anschließende Bewirtschaftung. „Wir wollen evangelisch bauen, ökologisch nachhaltig und mit einem diakonischen Impuls“, stellt Gietz in Aussicht.

Finanzielles Risiko wird vergemeinschaftet

Klar ist: Das Projekt muss sich selbst finanzieren. Wenn es schiefgeht, haften die Kirchenkreise und in der Folge die Gemeinden. „Aber das Risiko wird vergemeinschaftet. Würde die Gemeinde selbst den Fehler machen, müsste sie auch allein die Folgen tragen.“ Das Risiko ganz vermeiden ließe sich eben nur über einen Verkauf der Immobilien. Aber genau das soll verhindert werden: „Natürlich können wir verkaufen, aber dann verlieren wir ein evangelisches Standbein und die Rendite machen andere Investoren.“ Bewährt sich die Idee und haben in der Folge weitere Kirchenkreise Interesse an einer Beteiligung, könnte die Idee einer Körperschaft des öffentlichen Rechts in einigen Jahren doch wieder auf der Tagesordnung stehen.

 

Dieser Beitrag ist der aktuellen Ausgabe des Magazins EKiR.info für die Mitglieder der Presbyterien entnommen. Das komplette Dezemberheft finden Sie zum Download hier